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Politik | aus FALTER 33/09 vom 12.08.2009

Herr Rauch, warum ist Julius Meinl Ehrenbürger von Ragnitz?

Für viele ist Julius Meinl V. das Feindbild der Nation. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Betrugs von Anlegern. Die Ragnitzer denken anders. Sonntag verlieh Rudolf Rauch, Bürgermeister der steirischen Gemeinde, Julius Meinl V. die Ehrenbürgerschaft. Außerdem wurde ein Stadion auf „Julius-Meinl-Stadion“ getauft.

Herr Bürgermeister, wieso erklären Sie Julius Meinl V. zum Ehrenbürger?

Seit Julius III. ist die Familie unserer Gemeinde wohlgesonnen. Sie fördert die Jugendarbeit oder hat auch den Bau der Sportanlage finanziell unterstützt. Außerdem feierte Meinl seinen 50. Geburtstag. Für uns waren 50 Jahre währende Verbundenheit, 50 Jahre Julius und noch ein paar andere, die gerade ihren 50er begangen haben, Grund für diese Feier. Außerdem ist Julius V. schon ein kleiner, halber Ragnitzer geworden. Und da sein Vater ja voriges Jahr verstarb, hat er jetzt die Ehrenbürgerschaft stellvertretend für die ganze Familie erhalten.

Dass die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug ermittelt, stört Sie nicht?

Bei uns heißt es immer: Man soll sich nicht kratzen, solange es nicht beißt. Für Meinl gilt die Unschuldsvermutung.

Wie hat Meinl auf die Verleihung reagiert?

Der war völlig aufgelöst. Wie wenn Weihnachten und Ostern zusammenfallen würden. Er hat gemerkt, dass er von der Menge getragen und nicht nur niedergehauen wird. Wir sind an Biertischen gesessen, und er hat mit uns sein Grillhendl gegessen und – wie es bei uns halt Brauch ist – einen Zertrümmerer getrunken. Ich glaub, er hat sich sehr wohl gefühlt.

Falls es zu einem Schuldspruch kommen sollte, bleibt es dann trotzdem das Julius-Meinl-Stadion?

Ja. Die Wirtschaftskrise ist momentan für alle schlecht. Ich kann auch einen Frank Stronach nicht erschießen, weil in der Steiermark 10.000 Arbeitsplätze wegfallen. Oder? Eben.

Interview: Martin gantner


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