„Der Holocaust geht weiter“

Politik | aus FALTER 33/09 vom 12.08.2009

Nach den Morden an Roma steht Ungarn vor seiner größten Prüfung seit 1989, sagt Soziologe János Ladányi

Interview: Ingrid Brodnig

Es ist der sechste Mord, der nicht nur Ungarn, sondern ganz Europa erschüttert. Am 2. August fuhren Unbekannte nach Kisléta, ein Dorf im Nordosten Ungarns, brachen in ein Haus am Rande der Siedlung ein und feuerten auf die Bewohnerinnen, eine 45-jährige Frau und ihre 13-jährige Tochter. Die Mutter starb vor Ort, das Mädchen ist schwer verletzt. Seit dem Juli 2008 wurden sechs ungarische Roma ermordet. Über die Hintergründe spricht der Budapester Soziologe János Ladányi.

Falter: Jetzt wurde wieder eine Romni umgebracht. Woher kommt der Hass in Ihrem Land?

János Ladányi: Hass und Diskriminierung gab es immer, aber nach dem Kommunismus wurde es schlimmer. Anfang der 90er verloren viele Ungarn ihren Job. Heute gibt es zwei Gruppen in der Gesellschaft. Die eine hofft, dass wir bald den westlichen Lebensstandard erreichen. Und die andere lebt selbst noch


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