Wieder gelesen

Bücher, entstaubt

Politik | aus FALTER 33/09 vom 12.08.2009

Georgische Wahrheiten

Am Ende des russisch-georgischen Fünftagekriegs im August 2008 stand ein zweifelhaft pompöser Sieg Moskaus. Die Welt hat die Unabhängigkeit der Separatisten in Südossetien und Abchasien seither nicht anerkannt. Anders als diverse Pro-Russland-Experten und intellektuelle Pro-Georgier ist das dünne „Georgische Reisetagebuch“ des französischen Schriftstellers Jonathan Littell redlich unparteiisch. Ratlose Saakaschwili-Berater finden sich da, ein hysterischer russischer Presseoffizier, der nach Leichen gierende Reporter durch die Trümmerlandschaft von Gori treibt, ebenso der unsägliche Dirigent Valery Gergiev mit seinem Propagandakonzert für die angeblich 2000 ossetischen Opfer des „Genozids“ in Zchinwali. Einmal heißt es: „Georgien hat sich geopfert, damit die internationale Gemeinschaft erkennt, mit wem sie es zu tun hat.“ Aber auch das ist nur ein Teil der Wahrheit.

Erich Klein

Jonathan Littell: Georgisches Reisetagebuch. 2008, Berlin Verlag, 48 S., € 5,–

Pakistanische Befunde

Einst schuf der pakistanische Geheimdienst die Taliban-Bewegung, um Afghanistan zu kontrollieren. Heute trachten die Islamisten in Pakistan nach der Macht. Tariq Ali beschreibt, warum der Atomwaffenstaat im Kampf mit den Gotteskriegern so schwach ist. Ali, ein umstrittener britisch-pakistanischer Linker, erzählt die Geschichte des Landes als ein Duell der Klassen. Das mittellose Volk steht bei ihm einer korrupten Elite gegenüber, die von den USA gestützt wird. Das wirkt ein wenig simplifizierend, gewährt aber tiefe Einblicke in die strukturellen Defizite des Landes. Und bringt schön zum Vorschein, dass der Islamismus dort am besten keimt, wo es den Menschen schlecht geht.

Wolfgang Zwander

Tariq Ali: Pakistan. Ein Staat zwischen Diktatur und Korruption. 2008, Diederichs, 334 S., € 22,–


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