Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Lukas Plank | aus FALTER 33/09 vom 12.08.2009

Herr Warsosumarto, warum tanzen die Leute so seltsam?

Der Mann im grauen Anzug schwebt ungefähr 20 Zentimeter über dem Boden. Sein Kopf liegt im Nacken, seine Hände sind verkrampft. Er scheint im Gehen erstarrt zu sein. Als hätte ihn der Magnetstrahl eines Ufos erfasst.

Die Szene ist auf einem Plakat von Impulstanz, dem Wiener Tanzfestival, zu sehen. Aber dass es hier ums Tanzen geht, begreift man nicht sofort. „Wenn wir einen Balletttänzer zeigen würden, würde man vielleicht eher ans Tanzen denken. Aber Impulstanz ist eben mehr als Ballett“, sagt Yudi Warsosumarto von der Werbeagentur Peach, die mit DraftFCB+Partners das Konzept erstellte.

Ein schwebender Mann vor einem Kino, eine Frau, die sich mitten auf einem Zebrastreifen zu einer Yogafigur verbiegt, die beiden Hauptsujets verwundern. „Was wir zeigen wollen, ist: Ganz Wien bewegt sich.“ Die Menschen auf den Plakaten seien zwar Tänzer in ungewöhnlichen Körperhaltungen, „aber wir haben auf Kostüme und Schminke verzichtet. Es sind Leute wie du und ich.“

Wer die Fotos sieht, denkt nicht sofort an Werbung. Das Logo verschwindet irgendwo in einer Plakatecke, der Text ist unscheinbar und in Englisch. Man begreift die Botschaft erst nach einem längeren Blick. Wenn man nicht schon wieder weggesehen hat. Werbung, die man leicht übersieht. So ein Plakat soll funktionieren? „Sobald wir spüren, dass wir mit Werbung umworben werden, nehmen wir eine Gegenhaltung ein“, sagt Warsosumarto.

Die Sujets sollen nicht aufdringlich, sondern ästhetisch sein. „Die Plakate funktionieren, gerade weil sie nicht als Werbung empfunden werden.“ Immer wieder würden ihn Leute fragen, ob sie ein Plakat bekommen können. „Die wollen sich die Werbung daheim an die Wand hängen. Was kann ich mir mehr wünschen?“


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