„Ja, ich habe einen Mutterkomplex“

Feuilleton | aus FALTER 33/09 vom 12.08.2009

Günter Grass im Gespräch über seine SS-Vergangenheit und die Sozialdemokratie, über Sex und Selbstmord

Interview: Andre Müller

Ein Interview mit Deutschlands berühmtestem Schriftsteller ist ein Kampf gegen die Redeflut, mit der dieser erstaunlich vitale Mann den Interviewer schier überschwemmt. Eingesunken sitzt er mir in seinem Lübecker Büro, dem „Grasshaus“, gegenüber. Ungefärbt schwarzhaarig, präsentiert er sich unübersehbar als ein Ausbund an Sinnlichkeit. Helmut Frielinghaus, sein Lektor, dessen Vermittlung ich das Treffen verdanke, hatte mir, dem vor der Begegnung mit dem Literaturgiganten Bangenden, beruhigend versichert: „Keine Angst, er spricht gern.“ Aus den zwei Stunden, die mir für das Interview versprochen worden waren, wurden fast fünf.

Als ich längst keine Fragen mehr habe und meine Widerstandskraft gegen die redselige Lebensfreude des um 20 Jahre Älteren allmählich erlahmt, kommt aus einem Nebenraum seine Ehefrau Ute, die ihn chauffiert hat, da er


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