Perversling mit reinem Herzen

Feuilleton | aus FALTER 33/09 vom 12.08.2009

Mehr ist manchmal doch mehr: Sion Sonos Vierstünder „Love Exposure“

Rezension: Joachim Schätz

Das Schicksal hat keine Zeit zu verlieren in „Love Exposure“: Zu Beginn ist Tetsu (Atsuro Watabe) ein braver Familienvater, zehn Filmminuten später hat er, inzwischen verwitwet, das Priesteramt angenommen und wird prompt von einer liebesbedürftigen Hysterikerin in Versuchung geführt.

Nach einer Handvoll stenografischer Szenenstümmel hat sie ihn wieder verlassen, und der gefallene Gottesdiener projiziert seine Schamgefühle auf den pubertierenden Sohn Yu (Takahiro Nishijima), der fortan zur täglichen Beichte genötigt wird.

Bald weiß sich der brave Yu unter Beichtzwang nicht mehr anders zu helfen, als immer kühnere Sünden zu begehen: Als Musterschüler in der hohen Kunst des Tosatsu (vulgo: Mädchen-heimlich-unter-den-Rock-Fotografierens) schart er eine Gruppe von Anhängern um sich, denen er gerührt berichtet, wenn der sonst so distanzierte Vater ihn bei der abendlichen Beichte endlich


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