Coco avant Chanel: Wie aus einer Halbwaise die Schöpferin des Waisenkind-Stils wurde

Feuilleton | aus FALTER 33/09 vom 12.08.2009

Rezension: Michael Omasta

Sie hatte eine schwierige Kindheit. Der Vater ein baskischer Hufschmied, die Mutter früh verstorben, wuchs Gabrielle im katholischen Waisenhaus auf. Zusammen mit der hübschen Adrienne tingelte sie durch die Cafés der Provinz.

Ihren größten Erfolg hatten die Geschwister Chanel mit dem Chanson über ein entlaufenes Hündchen. Und diesem, so will es die Legende, verdankte Gabrielle auch den Namen, unter dem sie berühmt werden sollte: Coco.

Anne Fontaine erzählt in „Coco avant Chanel“ aus den Jugendjahren der legendären Modeschöpferin, die auszog, der überkandidelten Frauenmode des 19. Jahrhunderts ein Ende zu bereiten. Sie räumte den Hüten das Gemüse ab, befreite die Dekolletés von Klunker und die Hüften vom Korsett.

Dabei kommt das „kleine Schwarze“, später Endpunkt dieser Entwicklung, im Film selbst genauso wenig vor wie Chanels Anbiederung an die Nazis während der Deutschen Okkupation.

Fontaine denkt Chanels einzigartige Karriere nicht vom Ergebnis, sondern von ihren Anfängen her: zeigt die Unentschlossenheit der jungen Coco, ihre Liaison mit einem pferdenarrischen Baron, das sich abzeichnende Dilemma eines Daseins als seine Maitresse.

Simpel, aber schick. Truman Capote, der sie in den 50ern porträtierte, bezeichnete Chanels persönliche Linie als „Waisenkind-Stil“.

Mit ihm revolutionierte sie nicht nur die Haute Couture, sondern prägte als Trendsetterin den Look des 20. Jahrhunderts bis in die Schlafzimmer hinein.

Wie sagt im Film einer ihrer Liebhaber, der Coco zu einem Wochenende ins mondäne Deauville entführt, in höchster Erregung doch so richtig? „Es ist so schön einfach, dich auszuziehen!“

Ab 14.8. in den Kinos (OmU im Burg)


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