Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 33/09 vom 12.08.2009

Haben Sie das auch in Aperolfrei?

Wien, eine Stadt sieht Orange! Oder genauer gesagt: Aperol. Es geht nämlich um die Farbe der Saison. Zumindest wenn man sich ansieht, was die Leute in den Schanigärten so in den Gläsern vor sich drin haben. Genau: Aperol, der orange Bitterschnaps aus Italien, verlängert mit Prosecco oder – sehr wienerisch – Spritzwein. Und plötzlich ist alles so schon aperol hier: die Möbel in den Schickimickihütten, die Haltegriffe in den öffentlichen Verkehrsmitteln, ja sogar eine ganze U-Bahn-Linie! Auch die Ressortleitfarbe Ihrer Lieblingszeitung hier ist übrigens Aperol. Ausgerechnet im Museumsquartier hat man die Farbe des Jahres nicht erkannt und die Enzi-Sitzmöbel heuer giftgelb angemalt, wie unmodern! Aber der Trend kippt bereits, und sicher fließt das Zeug schon fertig gemischt aus den Zapfanlagen von Großraumdiscos am Rand der Stadt. In Bobohausen werden noch rasch die Aperolrestbestände aufgebraucht, denn nächsten Sommer kommt ganz bestimmt ein neuer Szenedrink. Neue Farbe, neues Glück. Und dann, bitte schön, etwas Aperolfreies.

Christopher Wurmdobler hat auch noch eine Flasche Aperol im Kühlschrank


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