Hundert Jahre Zeitausgleich

Steiermark | aus FALTER 33/09 vom 12.08.2009

Befindlichkeitskolumne

So sieht uns die Welt, Teil einunddreißig

Wenn der Bauer mit der Sense auf der Alm steht oder per Hand den Käse herstellt, das hat schon was, sagt Katja P. dem Handelsblatt in einem netten kleinen Artikel, in dem die schöne Stadt Graz über den grünen Klee gelobt wird. Die Gründe sind, neben dem Käse und der Sense: Die Stadt ist geschmeidiger als deutsche Städte. Und: Alle Menschen tragen Patschen. Davon war die Psychologin Katja P. anfangs ganz baff, aber heute ist sie selber ganz begeistert von dieser „Art Hauspantoffeln“, denn: Das machen hier alle so. So also werden wir gesehen. Das Innere der Grazer, mit dem sie sich jetzt hauptberuflich beschäftigt, kann allerdings manchmal auch ganz schön brutal sein, so wie überall anders auch. Das Handelsblatt verschweigt an dieser Stelle auch, dass Autofahrer nicht nur einen Kulturschock erleben, wenn sie von Graz in eine echte Stadt wechseln, sondern auch umgekehrt. So wie zum Beispiel die Leserin Eva H., die davon überzeugt ist, dass es in Wien viel leichter ist, Spuren zu wechseln: Man tut es einfach, kriegt wütende Beschimpfungen und das war’s. In Graz aber wird man dazu entweder eingeladen und hat dann tunlichst zu folgen, oder aber man wird ignoriert, weil es für die anderen Verkehrsteilnehmer gar nicht vorstellbar ist, dass jemand sowas von ortsunkundig ist. Das hat man dann auch nach einem Tag durch Graz fahren im Griff. Man kann dabei auch das mediterrane Flair genießen, muss aber aufs echte Weizenbrötchen verzichten.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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