Fragen Sie Frau Andrea

Fluchen Sie religionsfrei: Arsch, Kappe, Muster

Kolumnen | aus FALTER 33/09 vom 12.08.2009

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

vor kurzem erwähnte Marianne Mendt das schöne Wort Oaschkapplmuster, das in meinem Bekanntenkreis anscheinend niemand mehr kennt. Als Kinder in Salzburg, Mitte der 50er, gebrauchten wir es allerdings sehr gern und sehr oft. Was bedeutet diese schöne Beschimpfung?

Liebe Grüße, Erich Schmidt

Salzburg, per Elektropost

Lieber Erich,

das lautmalerische Oaschkapplmuster eignet sich gut als religionsfreier Fluch und deftiges Pejorativ Männern gegenüber. Zwei Herkünfte biete ich als Erklärung für den Ausdruck an, beide dürften ihre Heimat in der Zwischenkriegszeit haben.

Einer meiner Quellen zufolge soll es sich beim Oaschkapplmuster um das grobkarierte Wollstoffmuster der Ballonmützen jener Zeit handeln. Dieser Mützentyp hatte europaweit einen Siegeszug als Kopfbedeckung des Industrieproletariats angetreten. Möglich, dass sich der Ausdruck schließlich gegen die „Schlurfs“ richtete, eine anglophile Subkultur Wiener Jugendlicher, die während der Nazizeit Swing hörten und sich „undeutsch“ kleideten. Andere Quellen sehen im Oaschkappl ein Schimpfwort für deutschnationale Studenten. Gilt doch die Mütze als identitätsstiftender Bestandteil studentischen Budenlebens.

Die heute übliche Schirmmütze war ab 1790 beim Militär aufgetaucht und hatte sich durch die Napoleonischen verbreitet. Im Laufe der Zeit bildeten sich die abenteuerlichsten Spielarten der Studentenmütze heraus: die kleine Hinterkopfcouleur, das hohe oder flache Biedermeierformat, der militärisch anmutende Stürmer mit seiner steifen, kreisförmigen Vorderplatte, von seinen Trägern auch despektierlich „Elefantenpariser“ genannt, der schlichte Jenenser, das ausladende Teller- oder das gefällige Schlappformat, in Stoff oder Samt.

Viele Farbenstudenten trugen und tragen ihre Kopfbedeckung mit dem gestickten Zirkel verziert, einer monogrammartigen Verschlingung der Anfangsbuchstaben des Verbindungsnamens und des Wahlspruchs der Verbindung. Oft sind die Buchstaben V, C und F für „Vivat circulus fratrum“ („es lebe der Kreis der Brüder“) enthalten. Noch in den 60er-Jahren wurde der Zirkel von der Couleurdame selbst gestickt und vom politischen Gegner Oaschkapplmuster tituliert.


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