Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Stefan Apfl | aus FALTER 34/09 vom 19.08.2009

Am Freitag, den 14. August, um 11.30 hat sich Christopher Wurmdobler gelöscht. Vielleicht haben wir den Hilferuf zwischen den Zeilen der 6843 Statusmeldungen übersehen, vielleicht war die raue Menge an 2.0-Befindlichkeiten selbst der Hilferuf. „Es gibt nichts mehr zu tun“, schrieb er und war bloß ein weiterer Facebook-Flüchtling, der wieder „mehr ausländische Zeitungen“ lesen wollte.

Florian Klenk verlagerte seine virtuelle Existenz schon vor Monaten von Facebook auf florianklenk.com. Zumindest von Mitarbeitern des Justizministeriums werden seine Aufdeckergeschichten dort nicht mehr gelesen, weil der hausinterne Zugang auf Klenks Blog nach dessen vorwöchigem Scoop gesperrt wurde. Thematisch ist das Sommerloch mit Klenks Serie über die ungehörigen Weisungen nun überbrückt (S. 16).

Im Ministerium warten die Beamten vor schwarzen Bildschirmen auf den nächsten Falter, hier erwartet die sommergeschwächte Mannschaft weitere Aktensackerln. Joseph Gepp war indes mit dem Notizblock im nördlichsten Dorf Europas unterwegs, Ingrid Brodnig hat sich in einem Zelt in Budapest verschanzt, und Matthias Bernold schnappte sich den Praktikanten Lukas Plank für ein Kletterwochenende in den Alpen (S. 12). Armin Thurnher hat sich zurückgezogen, um in Ruhe seinen Roman zu lesen, und Klaus Nüchtern ist einfach nur: weg. Elektronische Post an ihn wird bis zum 7. September „von einem Schwarm bekiffter Piranhas bewacht, gelesen und aufgegessen“. Die kommen wohl dorther, wohin Christopher Wurmdobler vergangenen Freitag gegangen ist.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige