Meinesgleichen

Herr Ortner und die fremden Fakten

Falter & Meinung | aus FALTER 34/09 vom 19.08.2009

Um Himmels willen, jetzt bloggt auch der noch, und wie fleißig! Ich komme bei Christian Ortner vor, weil ich hier über Exkanzler Alfred Gusenbauer schrieb (ich gebe es so wieder, wie Ortner es zitiert, abschreiben wird er ja können): „Jeder halbwegs unvoreingenommene Beobachter sah die europapolitischen Qualitäten … dieses Mannes; sie bestimmen weit mehr als die Hälfte unserer politischen Realität, aber eben nicht die landläufige Scheinrealität.“ Dazu bemerkt der Blogger: „Jeder halbwegs unvoreingenommene Beobachter wird dies angesichts des europapolitischen Offenbarungseides Gusenbauers in Form eines Leserbriefes an die Krone für eine, sagen wir einmal, recht faktenfremde Diagnose halten müssen. Es sei denn, man hält galoppierenden Opportunismus für eine, europapolitische Qualität‘.“

Gusenbauers und Faymanns Krone-Brief wurde hier ausgiebig kritisiert. Meint Ortner ernstlich, Nicolas Sarkozy, José Luis Zapatero oder Angela Merkel würden, so sie Gusenbauers ansichtig werden, ihm seinen legendären Krone-Brief vorhalten und sich von ihm abwenden?

Dass der Exkanzler nicht nur in Ybbs, sondern in Straßburg, ja, und auch in der Sozialistischen Internationale politisch sozialisiert wurde, hat zu seiner Qualität als Europapolitiker beigetragen. Dass man das im eigenen Land nicht erkennen will, ist „faktenfremd“ (Ortners Lieblingswort) wie irgendwas. Es ist ressentimentgetränkt, kleinlich und vor allem provinziell.


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