Gelesen Bücher, kurz besprochen

Afrikas Selbsthilfe

Politik | aus FALTER 34/09 vom 19.08.2009

Als Barack Obama in Ghana seinen ersten Afrikabesuch absolvierte, machte er nicht, was unzählige Politiker vor ihm getan haben: eine Erhöhung der Transferleistungen versprechen. Er nahm vielmehr die Afrikaner in die Pflicht. Nur sie selbst können das Haupthindernis für Gesundheit, Entwicklung, Investitionen, Frieden beseitigen – die korrupten Regime, die die Rolle als Opfer der Kolonisatoren und der Globalisierung spielen, um den Westen zu Transferleistungen zu nötigen. Diese verschwinden dann, wie auch die Gewinne aus den Bodenschätzen Afrikas, in den eigenen Taschen. Nigeria, der sechstgrößte Erdölexporteur der Welt, gehört zu den 25 ärmsten Ländern der Erde, im erdölreichen Angola sieht es kaum besser aus, obwohl – oder weil – hunderte Hilfsorganisationen dort operieren. Volker Seitz bringt nicht nur die Kritik an der „Entwicklungshilfeindustrie“ so klar und radikal wie niemand vor ihm in eine Programmschrift: Er formuliert ebenso klar, was an die Stelle des fatalen Systems zu treten hätte. Eine Pflichtlektüre nicht nur für Afrikainteressierte.

Sebastian Kiefer

V. Seitz: Afrika wird armregiert oder Wie man Afrika wirklich helfen kann. dtv, 220 S., € 14,90


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