Mediaforschung Nachfragekolumne

„Herr Pichler, warum werben Sie mit Nackerten für Möbel?“

Medien | Lukas Plank | aus FALTER 34/09 vom 19.08.2009

Nachts nackt durch ein Möbelhaus laufen – das kann jetzt jeder. Einfach auf www.meineigenermoemax.at ein Foto vom eigenen Gesicht hochladen und wie eine Maske vor einen vorgefertigten Kopf (wahlweise männlich oder weiblich) schieben. Und dann wird schamlos drauflosgeflitzt.

Nackt spielt der fremde Körper mit dem vertrauten Gesicht Bowling im Einrichtungshaus, hüpft auf Sofas herum und mixt Cocktails in der Küchenabteilung. Gezeigt werden die Szenen von Überwachungskameras. So, als wäre man nachts eingebrochen, um durch den Mömax zu flitzen. „Nein, das hat nichts mit Einbrechen zu tun“, sagt René Pichler, Senior Artdirector der Werbeagentur Demner, Merlicek & Bergmann. „Du kannst nackt durchs Haus laufen und alles machen, was dir Spaß macht. Wie bei dir daheim. Als wäre das dein eigener Mömax.“ Dieses Gefühl solle man mit dem Onlineshop des Möbelhauses verbinden. Und zu diesem will die Werbung locken. Nachdem man das Video von der eigenen Flitzerei an Freunde verschickt hat, weist ein grüner Pfeil den Weg: „Jetzt shoppen gehen!“ Auch in Kino und Fernsehen werden die Möbelflitzer gezeigt – allerdings ohne dass die Gesichter der Nackerten erkannt werden können. Die Internetseite sei aber kein Ableger der TV-Werbung, versichert Pichler. Im Gegenteil: „Es ist umgekehrt: Die Leute sollen vom Fernseher vor den Computer gelockt werden.“ Werbung, die über die einzelnen Kanäle hinweg funktionieren soll. Doch wie viel nackte Haut ist für eine erfolgreiche Werbung notwendig? „Werbung, die nicht auffällt, wirkt nicht. Bisher haben wir nur positive Reaktionen bekommen. Die Leute finden es einfach lustig, ihr eigenes Gesicht auf den Körpern der Nackten zu platzieren“, sagt Pichler – und er ergänzt: „oder das von Bekannten“.


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