Am 11. September mit dem Taxi zur Demo

In seinen Erzählungen wirft Robert Menasse einen kritischen Blick auf vergangene politische Irrtümer

Feuilleton | Rezension: Klaus Nüchtern | aus FALTER 34/09 vom 19.08.2009

Bislang ist Robert Menasse, Jahrgang 1954, als Essayist und Romancier hervorgetreten, nun legt er einen Band mit „Erzählungen vom Ende der Nachkriegsordnung“ vor. Das ist hochtrabender, als es nötig wäre, deswegen aber noch nicht falsch. Es geht um die Verschränkung von Privatem und Politik, von persönlichem Weltschmerz und politischem Weltgeschehen, und auf der Ebene des Kneipengesprächs ist man dann schnell bei der „Was hast du gerade getan, als …?“-Frage.

„Als ich im Fernsehen die Bilder der Maueröffnung sah, sprang ich auf und suchte mein Briefmarkenalbum“, verzeichnet das „Wahre Tagebuch“ des Protagonisten aus „Die neuen Leiden des fremden Freundes“. Die Existenz eines geteilten Deutschlands war dem Buben einst nämlich just aufgrund seiner philatelistischen Passion zu Bewusstsein gekommen.

Naturgemäß sind es meist die Medien, die an der Schnittstelle zwischen Ich und Weltgeschichte stehen. In manchen Fällen besteht aber auch bloß eine oberflächliche


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