Kunst Kritik

Maskierter Streifzug durch die Kulturen

Lexikon | aus FALTER 34/09 vom 19.08.2009

Was verbirgt sich hinter einer Maske? Ein Geheimnis oder doch das wahre Gesicht? Dienen Masken der bloßen Belustigung, der grotesken Verzerrung oder gar bösartigen Täuschung? Die Ausstellung „Wir sind Maske“ zeigt die mannigfaltigen Funktionen und ästhetischen Ausformulierungen dieses in allen Epochen und Kulturen verankerten Accessoires. Gespannt wird der Bogen von der Antike bis zur Gegenwart. Während die Maske im alten Griechenland für die paradoxe Einheit des Verschiedenen stand, arbeiten Künstlerinnen wie Orlan diesem Konzept entgegen. Im Zeichen von Körperdesign und Gentechnologie inkorporiert sie Fremdgesichter in die organische Struktur des eigenen Gesichts.

Totenmasken von Egon Schiele, Gustav Mahler und Adolf Loos begegnet man hier ebenso wie Masken für den rituellen Gebrauch. Die Maske im Rahmen eines Erinnerungskults, zur Vertreibung böser Geister oder zur Anrufung der Ahnen findet sich in unterschiedlichster Ausprägung rund um den Globus. Die Ausstellung veranschaulicht die Bedeutung des „zweiten Gesichts“ für Theater- und Tanzaufführungen, seine Rolle innerhalb der höfischen Festtradition sowie die metaphorische Aussagekraft, welche die Maske in der künstlerischen Bearbeitung eines Tiepolos oder Berninis erhält. Auch auf ihre Schutzfunktion wird in einem Abschnitt der Schau verwiesen, wobei hier ein alter Feuerwehrhelm besonders amüsiert.

Ob ein Medusenschild Kaiser Karl V., ob Tiroler Berchtenmasken, muslimische Burkas oder antike Marmorstatuen, Objekte aus den Bereichen Völkerkunde, Theater- und Kunstgeschichte werden hier effektvoll und aufschlussreich gegenübergestellt. manisha jothady

Museum für Völkerkunde, bis 28.9.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige