Kunst Kritik

Fremdbild und Vorurteil

Lexikon | aus FALTER 34/09 vom 19.08.2009

Sind Schwarze die besseren Athleten? Haben Schwule einen ausgeprägten Sinn für Kunst? Sind Pfeifenraucher gemütlich, und haben Juden lange Nasen? Die Ausstellung „typisch! Klischees von Juden und Anderen“ unternimmt eine Reise in die Welt der Stereotypen. Die Ausstellung konfrontiert Kunstwerke mit Objekten aus der Trivialkultur. Sie zeigt, wie das Kino Klischeevorstellungen festigt oder zerstört und die Werbung mit Vorurteilen operiert. So warb etwa der Zigarettenhersteller West einst unter dem Motto „Taste the West“ mit einem ziemlich fiesen Sujet: Eine strahlende Europäerin bietet einer verschleierten (und entsetzten) Orientalin eine Zigarette an.

Marcel Reich-Ranicki als „Nörgeli“ in der Funktion einer Buchstütze lässt einen dagegen trotz überzeichneter Ohren und Nase schmunzeln. Zu harmlos ist das Objekt, um die Seitenhiebe auf die Physiognomie des Literaturkritikers jüdischer Abstammung als Böswilligkeit zu erkennen. Wenn allerdings Dennis Kardon zig Haarbüschel in Schaukästen und „typisch“ jüdische Nasen in einer Wandinstallation präsentiert, dann liegen die Anspielungen auf den Genozid im Dritten Reich auf der Hand.

Der menschenunwürdige Umgang mit Afrikanern im Zuge früher anthropologischer Studien ist hier ebenso Thema wie die Sklaverei in den USA. Von der Teekanne bis zur Porzellanfigur: Das Bild von Schwarzen findet seinen Niederschlag in den absurdesten kunsthandwerklichen Erzeugnissen. Die Coca-Cola-Flasche als Symbol des amerikanischen Kapitalismus ist bei all dem eines der wenigen positiv besetzten Ausstellungsstücke. Wie Barbie, die hier in ganz internationalem Styling auftritt, hat das Prickelgetränk die ganze Welt erobert. MJ

Jüdisches Museum Wien, bis 11.10.


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