Film Neu im Kino

Alles bleibt in der Familie: „Tout est pardonné“

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 34/09 vom 19.08.2009

Es gibt Filme, für die man vorbehaltlos Partei ergreifen muss. Nicht weil sie perfekt wären oder eine bestimmte moralische oder politische Haltung einnehmen würden, sondern schlicht deshalb, weil sie einem etwas Wichtiges zu sagen haben. Hat uns Tarantino mit seinem großen Film der Woche etwas zu sagen? Die französische Filmemacherin und Autorin Mia Hansen-Løve mit ihrem kleinen Debütfilm schon.

„Tout est pardonné“ heißt ihre vor zwei Jahren entstandene Arbeit, die von einer familiären Dreierbande erzählt, die den Belastungen des Lebens nicht standhalten kann. Die Österreicherin Annette (Marie-Christine Friedrich) und der Franzose Victor (Paul Blain) leben mit ihrer fünfjährigen Tochter Pamela in Wien, und noch während die junge Mutter sich den Problemen des Alltags entgegenstemmt, wird klar, dass Victor den Kampf gegen seine Sucht nicht gewinnen wird. Mit dem Umzug nach Paris lösen sich die Verbindungen schließlich auf, nur um in einem überraschenden dritten und letzten Kapitel erneut auf die Probe gestellt zu werden: Pamela, inzwischen eine junge Frau (Constance Rousseau), erfährt von der Suche ihres Vaters nach der verlorenen Tochter.

„Tout est pardonné“ erzählt entgegen seinem Titel davon, wie schwierig es ist zu vergeben. Wie einfach es ist, jemanden zu verurteilen. Und wie leicht man jemanden für immer verlieren kann. Es ist ein Film voller leiser Zwischentöne, voller dunkler Flecken und doch – gerade am Ende – von überraschender Helligkeit. „Tout est pardonné“, der in gewisser Weise an die mittlerweile vergessenen Regiearbeiten von Sandrine Veysset („Gibt es zu Weihnachten Schnee?“) erinnert, ist ein Film, der weiß, dass das alles zusammengehört. So wie Menschen zusammengehören.

Ab Fr in den Kinos (OmU im De France)


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