Buch der Stunde

Lexikon | Daniela Strigl | aus FALTER 34/09 vom 19.08.2009

Man könnte sagen: Emmy Haesele war eine Autodidaktin der besonderen Art – sie besuchte keine Akademie, ihr Lehrmeister war Alfred Kubin. 1932 lernte sie den 17 Jahre Älteren kennen, ihre Liebesgeschichte dauerte vom August 1933 bis zum Februar 1936. Gut 300 Briefe hat er ihr geschrieben: „Du Sammellinse meines Liebesglücks / Du mein Unendlichkeitsspiegelein / Mein Sternenliebling – Zwillings-Urweib“. „M.l.Z.U.W.“, so lautet die Briefanrede noch, als Kubin Emmy Haesele längst den Laufpass gegeben hat. Sie kommt ihr langes Leben lang nicht von ihm los, schleicht um sein Haus in Zwickledt, legt ihm Weihnachtsgaben auf die Schwelle, begegnet ihm einmal auf schmalem Pfad: Kubin schwenkt seine Mütze, sagt „guten Morgen“ und geht an ihr vorbei.

Von einer Liebe, die zu groß war, um dem Stolz Raum zu geben, und einem beinhart rationalisierten Gefühlshaushalt nach Künstlerart erzählt Brita Steinwendtner mit ebenso viel Klarsicht wie Feingefühl und Gespür für Rhythmus. Kubin


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