Vorstadt Engel

Stadtleben | Reportage: Stefan Apfl | aus FALTER 34/09 vom 19.08.2009

Seit dem Todesschuss im Merkur starrt das Land auf Krems-Lerchenfeld. Besuch in Österreichs bekanntestem Kleinstadt-Banlieue

Donnerstagmittag im Herzen von Krems-Lerchenfeld. Im Gasthaus s’Lercherl werden die ersten Krügerln ausgeschenkt. Regenwolken ziehen auf. Der Ö3-Nachrichtensprecher kündigt im Gastgarten das Begräbnis von Florian P. an, dem 14-jährigen Lerchenfelder, der während eines Einbruchs im Merkur-Markt von einem Polizisten erschossen wurde. „Die Lerchenfelder“ lautet die Titelschlagzeile einer Tageszeitung auf dem Tisch. Vom „Ghetto“ und seinen „Problemjugendlichen“ ist darin zu lesen.

Die Gäste wenden sich stumm von Auswärtigen ab. Schwarzgekleidete Jugendliche marschieren in losen Grüppchen vorbei in Richtung Friedhof, wo ein Dutzend Journalisten auf sie wartet. Auf Fotoapparate antworten sie mit dem Mittelfinger.

Ein ganzes Land diskutiert erregt über Schuld und Sühne einer kriminellen Jugend und schaut dabei selbstgerecht herunter auf die, die in


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