Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Retters Granatapfel gespritzt

Saft aus dem Granatapfel oder aus Granat und Apfel?

Stadtleben | aus FALTER 34/09 vom 19.08.2009

Wer je in seiner Lieblings-Bobo-Gaststätte ausnahmsweise statt Bionade türkischen Granatapfelsaft bestellt hat, direkt gepresst und 100 Prozent Frucht, weiß: Das Zeug schmeckt muffig und irgendwie sehr, sehr gesund. Tatsächlich sollen die roten Kernchen irre gesund und gut gegen allerhand Beschwerden sein. Aber muss man’s denn auch gleich schmecken?

So was in der Art dachte sich vielleicht auch der steirische Obsthof Retter (seit 1886!), schließlich ist Granatapfelsaft reich an den natürlichen Vitaminen C, D und B und an Mineralstoffen wie Kalium, Kalzium und Eisen. Aber weil Granatapfel – zumindest in der türkischen Version – eine eher trübe Angelegenheit ist (möglicherweise pressen die nicht nur Kernchen, sondern auch die Schale), mixt man im schönen Pöllau Granat- mit Apfel- und Aroniasaft. Als 100 Prozent Saft ohne Zuckerzusatz gibt’s ihn im 1-Liter-Tetrapak, in die 0,5-Liter-Pet-Flasche kommt noch 50 Prozent Kohlensäurewasser hinzu.

Was dann vom ursprünglich so granatenmäßig gesundheitsfördernden Granatapfelsaft übrigbleibt, ist nur noch eine homöopathische Dosis, aber egal. Immerhin ist es eine hübsche Alternative zum Obi g’spritzt oder all den anderen alkoholfreien Sommergetränken. Dass man das mit dem Apfelsaft in beiden Varianten erst beim Kleingedruckten nachlesen muss, ist freilich ärgerlich.

Aber die vom Obsthof Retter werden sagen: „Wieso? Steht doch eh fett drauf. Granat. Und Apfel. Und Saft.“ Ja, eh. Aber trotzdem. cw


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