Hundert Jahre Zeitausgleich Befindlichkeitskolumne

Schmalspurwichser essen Nudelsalat

Steiermark | aus FALTER 34/09 vom 19.08.2009

Was die Verloungeung angeht, muss man natürlich auch über die ÖBB sprechen. Die bieten allen Erste-Klasse-Fahrgästen einen klimatisierten Aufenthalt mit Tageszeitungen und stilvollen Getränken in allen österreichischen Bahnhöfen. Wer aber sind die Erste-Klasse-Fahrgäste? Sie sind im Wesentlichen die Schmalspur-Version von Business-Class-Passagieren in Flugzeugen: Mit grimmiger Miene arbeiten sie daran zu kompensieren, dass sie zwar zur Manager-Klasse gehören, aber halt trotzdem sehr unwichtig sind. Die Wichtigen müssen ja nicht die ganze Zeit herumfliegen, haben teilweise nicht mal Handys. Wie auch immer. Nicht standesgemäß ist es, in der ersten Klasse einen selbst mitgebrachten Nudelsalat zu essen und darüber zu versuchen, mit den anderen in ein Gespräch zu kommen. Nudelwurstsalat ist der Vollprolo unter den Sommersalaten (ähnlich wie Marillensaft das Tomatenpago der Steirer ist, die die Lakota von Europa sind, auch das lernen wir in der ersten Klasse, wenn wir wollen, aber auch wenn wir nicht wollen). Wer ihn isst, wird fett, und wer fett ist, ist arm. Und wer arm ist, sitzt nicht erste Klasse, außer aus Versehen. Der arme Tropf wundert sich, dass sein Ess- und Kommunikationsverhalten so unpassend erscheint, muss den Kalorien und den vielen Worten dann aber Tribut zollen und schläft ein, noch bevor der Schaffner kommt, um ihn auf seinen angestammten Platz zu verweisen.


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