Eröffnung

Recht im Wandel der Zeit

Lexikon | Martin Gantner | aus FALTER 35/09 vom 26.08.2009

Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein“, sagte Hans Filbinger im Jahre 1978. Filbinger war damals Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Kurz zuvor war publik geworden, dass er als NS-Richter zwei Todesurteile gegen Wehrmachtsdeserteure gefällt hatte. 31 Jahre später und auf den Tag genau 70 Jahre nach Auftakt des Polenfeldzugs, eröffnet nun in Wien die Wanderausstellung „Was damals Recht war – Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht“. Geschätzte 50.000 Menschen wurden zu Tode verurteilt, 20.000 Urteile wurden vollstreckt – darunter etwa 1400 Österreicher.

Der Apparat der Wehrmachtsjustiz wird darin ebenso nachgezeichnet werden, wie zahlreiche Biografien von Tätern und Opfern. Darüber hinaus wird das lange Ringen der Überlebenden um Anerkennung nach Kriegsende erzählt. Denn deren Weigerung, in Hitlers Vernichtungsfeldzug mitzumarschieren, blieb in der österreichischen Nachkriegsgesellschaft lange unbedankt und steht noch heute außerhalb der erinnerungspolitischen Wahrnehmung. Im Gegenteil wurde den Verweigerern Fahnenflucht und Verrat vom Vaterland vorgeworfen.

Die Ausstellung war bereits in zahlreichen Städten in Deutschland zu sehen – zuletzt in Hamburg. Für die Schau in Wien wurde der Inhalt um einen Österreich-Schwerpunkt ergänzt. Der Verein Personenkomitee Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz ist Veranstalter der Ausstellung. Ursprünglich zeichnet die Berliner Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas dafür verantwortlich. Die Stiftung setzt sich für die Rehabilitierung der NS-Justizopfer ein. Es werden auch eigens Führungen für Schulklassen und Präsenzdienstleistende angeboten. Die Führungen können beim Verein Gedenkdienst gebucht werden. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

Nestroyhof, Eröffnung Di 19.00, bis 15.10. Informationen: www.pk-deserteure.at


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