TheaterKritik

Jelinek beim Wort genommen

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 35/09 vom 26.08.2009

Hast du neue Töne? In seiner aktuellen Produktion widmet sich dramagraz mit Elfriede Jelinek zwar einer Autorin, die viel mit Ernst M. Binder und dessen Theater verbindet, doch die Herangehensweise ist eine deutlich andere als bisher. Der Grund dafür heißt Maik Priebe und wurde 1977 in Schwerin geboren. Ihm hat Binder diesmal die Regie überlassen. Die von Katharina Scheicher für „Stecken Stab und Stangl“ unter Verwendung eines Kruzifix Gustav Trogers eingerichtete Bühne mutet vertraut an: Harte Kirchenbänke unterstreichen Jelineks Frontalattacken gegen katholisch verbrämte Scheinheiligkeit, erinnern aber auch daran, dass schon so mancher dramagraz-Abend viel Durchhaltevermögen verlangte. Wird das auch diesmal so sein?

Priebes Umgang mit dem Text ist gänzlich anders, als der von Ernst M. Binder: Während Letzterer den Worten in der Regel wenig Bühnenlicht, aber viel Raum und sehr viel Zeit gibt, werden sie von Priebe interpretiert, gestaltet, frisiert und auch mal gegen den Strich gebürstet. Da werden Zynismen in lautes Lachen getaucht, da wird Jelineks Wortspielen auf den Zahn gefühlt – auch auf die Gefahr hin, dass sich manches als Kalauer präsentiert. Der Abend folgt einer streng rhythmischen Gesamtdramaturgie, die unter anderem durch Choreinlagen strukturiert ist. Jelineks hochmusikalischer Text, der seine Kreise um den ehemaligen Starkolumnisten der Kronen Zeitung und die Oberwarter Roma-Morde von 1995 zieht, wird also treffend umgesetzt. Eines langen Atems bedarf es dennoch – nicht nur aufseiten der hochkonzentrierten Darsteller Cornelia Lippert, Ninja Reichert, Kathrin Steinweg, Werner Halbedl, T. G. Schubert und Rudi Widerhofer.

Theater im Keller, Fr, Sa, Mi 20.00


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