Meinesgleichen

Österreichs reinster Sportmensch

Falter & Meinung | aus FALTER 35/09 vom 26.08.2009

Toni Sailer ist tot. Der „schwarze Blitz aus Kitz“, wie man ihn nannte, gehört zu jenem Inventar an Bildern, aus dem die junge Republik ihr frisches Selbstbewusstsein bezog.

In Cortina gewann Sailer 1956 drei olympische Goldmedaillen, die gleichzeitig als Weltmeistertitel galten, dazu die Weltmeisterschaft in der Kombination, zwei Jahre später, in Badgastein, gewann er drei weitere Weltmeistertitel und wurde einmal Zweiter. Kaum 23-jährig trat er ab, wurde Schlagersänger, Schauspieler, Autor, Skifunktionär. Der gelernte Spengler stellte im Nachkriegsösterreich die Identifikationsfigur schlechthin dar. In einem Buch über Sport und Österreichs Identitätsbildung heißt es: „In einige Filme rettet der, schwarze Blitz von Kitz‘ noch seinen Siegercharme. In der Schweiz trat er im, Tod eines Handlungsreisenden‘ auf die Bühne, aber er schaffte die ernsthafte Schauspielkunst nicht. Er blieb der Darsteller seiner selbst, eine geniale Einzelbegabung, er blieb, er selbst‘.

Noch heute beschreiben ihm nahestehende Personen den Charakter Sailers mithilfe dieser Tautologie: Er ist der, der sich selbst darstellt und darum erst zu sich selbst gelangt. Alle Rollen, die er nach dem Skifahren verkörperte, vermochte er nicht wirklich anzunehmen, auszufüllen, vielleicht liegt darin seine Einzigartigkeit. Sailer ist ohne jeden Zweifel der größte Sportler, den Österreich nach dem Krieg hervorgebracht hat, vielleicht ist er der reinste Sportmensch, den Österreich jemals hatte.“


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