Glosse

Natascha Kampuschs Karriere muss mit einem Geständnis enden

Chronik

Falter & Meinung | Stefan Apfl | aus FALTER 35/09 vom 26.08.2009

Die öffentliche Karriere von Natascha Kampusch begann 1998 auf einem Steckbrief. Im halben Land hing die Beschreibung jener zehnjährigen Schülerin, die ihren Eltern am Schulweg abhandengekommen war. Nach acht Jahren der Gefangenschaft erstand sie als Madonna aus dem Kellerverlies in eine entrückte Öffentlichkeit auf. Nun, da ihre Flucht sich zum dritten Mal jährt, ist das Madonnenbild längst befleckt. Wegen all der Ungereimtheiten von ihrer Anhimmlung beschämt, fordert die Nation ein Geständnis: dass es ihr unter Strasshof gefallen hat. Dass nicht der Ingenieur P. über sie, sondern umgekehrt sie über ihn und seine elf Mitwisser verfügt hat. Erst dann können sich Österreich und Österreich der Frage zuwenden, wie die Amstettener Familie F. ihren Vater Josef 23 Jahre lang als Laufburschen missbrauchte.


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