Kommentar

Der Wagenplatz: von politischer Feigheit und schlechter Presse

Wiener Stadtpolitik

Falter & Meinung | Joseph Gepp | aus FALTER 35/09 vom 26.08.2009

Eine Karawane zieht durchs Wiener Sommerloch. Sie war schon in Simmering, am Donauufer, nahe der Arena, auf den Aspanggründen. Und Presse, Standard, Wiener Zeitung, ORF und andere Medien verfolgen aufmerksam jeden ihrer Schritte.

Bis vor wenigen Wochen wusste kaum jemand, dass es in Wien eine Gruppe Alternativer gibt, die statt im Gemeindebau lieber im Wohnwagen leben. Jetzt wissen es alle. Mangels wichtigerer Ereignisse spielt sich das Umhertreiben des Wiener Wagenplatzes unter dem Vergrößerungsglas der Öffentlichkeit ab. Und das Rathaus hat, was es sonst so eifrig zu verhindern sucht: schlechte Presse.

Es begann in Simmering. Von dort musste der Wagenplatz aus widmungsrechtlichen Gründen weichen. Es folgten langwierige Verhandlungen mit der Gemeinde, die schließlich in der Donaustadt einen alternativen Standort anbot. Dann aber startete die Bezirks-FPÖ eine Kampagne. Die SPÖ-Regierung zog sich zurück – schließlich ist Vorwahlzeit. Sie tat das, indem sie den bereits ausverhandelten Pachtpreis um das 40fache erhöhte. Die Wagenbewohner zogen verärgert von dannen. So berichteten es Betroffene und beteiligte Rathausbeamte dem Falter (siehe Ausgabe 26/09).

Was darauf folgte, war das Sommerloch, in dem kleine Konflikte oft groß werden. Die Karawane hat ihren Platz verloren und trampelt jetzt durch Stadt und Medien. Erst im Lauf des Septembers wird es wieder ruhiger um sie werden.

Die SPÖ war im Umgang mit dem Wagenplatz weder restriktiv noch kulant. Sie fuhr einen Zickzackkurs, hat in der Mitte aus Angst um Wählerstimmen kehrtgemacht. So etwas rächt sich. Vor allem im Sommer.


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