Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Lukas Plank | aus FALTER 35/09 vom 26.08.2009

„Herr Miedaner, warum werben Sie mit Plagiaten?

Eine gute Marke erkennt man daran, dass sie gefälscht wird“, sagt Andreas Miedaner, der Geschäftsführer der Werbeagentur Büro X in der Wiener Innenstadt. Miedaner ist verantwortlich für den Werbeauftritt des Wiener Museumsquartiers. Dessen typische Erkennungszeichen, die „Enzis“ genannten Sitzmöbel, seien mittlerweile an mehreren Orten Österreichs zu finden. Als Nachbauten, versteht sich. Ähnlich geht es den Plakaten des MQ, die in der Vergangenheit oft eins zu eins kopiert worden seien. „Ich habe eine Liste mit allen Geschäften und Veranstaltungen, die plötzlich ‚Quartier‘ heißen“, berichtet Miedaner. So lang sei diese Liste inzwischen geworden, dass man darüber eine eigene Ausstellung machen könnte.

Deswegen, erklärt der Werbemann, schlägt das Museumsquartier heuer zurück. Und setzt dazu selbst auf Plagiate. Eine kleine Auslage mit unmodischer Mode, über der ein großes Leuchtschild verkündet: „Fashion Quartier“. Ein heruntergekommener Maler, der auf der Straße seine Neonbilder verkauft, mit einem Pappschild, das verkündet: „Kreativ Quartier“. Eine Bühne mit fidelen Volksmusikanten: Das „Show Quartier“. Ein nächtlicher Hotdogstand: Das „Würstel Quartier“ .

„Das Museumsquartier wird immer wieder kopiert. Diesen Erfolgsnachweis wollten wir inszenieren“, sagt Miedaner. Eine nette Idee. Neu ist sie nicht. Vor einigen Jahren stellte eine Kampagne unter dem Slogan „Achten Sie auf die Marke“ Originale wie Ariel, Always und Smarties erfundenen Imitationen gegenüber, zum Beispiel Uriel, Never und Martin’s. Hat da jemand vielleicht selbst eine Idee kopiert? „Nein“, beteuert der Werbemann. „Das Thema ist einfach: Das Museumsquartier wird plagiiert. Und damit wollten wir in unserer Kampagne spielen.“


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige