Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 35/09 vom 26.08.2009

Plauderant, jovial, schleimig: Das war Johannes B. Kerner, der ZDF-König des menschlichen Talks. Gutgelaunt, kumpelhaft, betulich: Das ist Markus Lanz, sein Nachfolger. Lanz ist Kerner, nur in Fescher und Jünger (Di–Do 23 Uhr). Ein charmanter Klon, der genauso funktioniert wie das große Vorbild. Damit führt das ZDF eindrucksvoll vor, dass es komplett egal ist, wen man in eine Show oder an ein Moderationspult setzt – er oder sie sollte nur der menschlichen Spezies angehören und möglichst nahtlos an das Gewohnte anschließen. Zu viel eigene Persönlichkeit kann da nur schaden. Im Fall Lanz geht das so weit, dass niemand mehr an Kerner denkt, obwohl der als unverzichtbare Geheimwaffe des Senders galt. So etwas sollte all den anderen Fernsehgesichtern eines sagen: Nehmt euren Promistatus lieber nicht so persönlich, schreibt fleißig Bücher, macht Nebengeschäfte und Galamoderationen – irgendwann kommt der nächste gescheite Pagenkopf oder die nächste strenge Brille, die euch ablöst. Und keiner wird euch vermissen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige