Guter Humor und poetische Weltreflexion: das neue Album „Saharasand“

Feuilleton | aus FALTER 35/09 vom 26.08.2009

„Ich gehe zu den Hedgefonds-Herren, ich gehe gerne zu ihnen, denn heute habe ich das, was sie von Herzen verdienen“, singt Funny van Dannen auf seiner neuen CD „Saharasand“. „Heute bin ich bei Bankers zuhause und feiere Silvester. Ich habe einen guten Tropfen, es ist mein bester. Und wenn sie sich zuprosten, wenn sie sagen ‚Zum Wohle!‘, dann schlag ich zu, dann schieß ich mit meiner Katzenpissepistole.“

In lakonischer Monotonie und mit dieser speziellen Melancholie in der Stimme vorgetragen, ist „Katzenpissepistole“ ein klassisches Beispiel für die Kunst des Berliner Liedermachers: Humor ohne billige Pointe trifft auf poetische Weltreflexion ohne Zeigefinger; der Spaß am Absurden mischt sich mit der Fähigkeit, komplexe Sachverhalte in simple Reime zu packen.

Im Titelstück sinniert van Dannen in einem Aufwaschen über Klimawandel und staatlichen Rassismus, er lädt durch das Arrangement zum Mitschunkeln ein und lässt den Hörer letztlich doch mit einem gewissen Unbehagen zurück.

„Saharasand“ ist van Dannens elfte CD. Wo man sich, nach rund 200 veröffentlichten Liedern, eigentlich Dienst nach Vorschrift erwarten könnte, erweist sie sich als eine seiner bislang besten Arbeiten. Die Musik ist einfach wie gehabt; die Akustikklampfe wird bisweilen aber wohltuend durch ein Klavier, eine Ziehharmonika, ein wenig Perkussion oder eine Wüstengitarre ergänzt.

Die Texte berühren und unterhalten, das Tragische geht mit dem Komischen Hand in Hand, simple Gagsongs funktionieren genauso gut wie berührende Krisenvertonungen. Und die große Sinnfrage wird am Ende der CD auch noch beantwortet: „In Träumen ist es manchmal leicht, die Schwerkraft aufzuheben. Die Blumen sind zum Blühen da, und wir wahrscheinlich zum Leben.“ GS

Funny van Dannen: Saharasand (JKP/Warner, erscheint am 28.8.)

Live: 28.11., Arena


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige