Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 35/09 vom 26.08.2009

Das war kein Dreifachsalto

Es war an dieser Stelle bereits vom Bahö die Rede, dieser gepflegten Form des Politaktionismus, der in der Steiermark nicht bloß bei jahreszeitlich bedingter Themendürre, sondern ganz prinzipiell und aufgrund einer – übrigens sehr gut mit der Neigung hiesiger Medien zur lustvollen Zuspitzung korrespondierenden – ausgeprägten und mit einem Hang zur Selbstinszenierung durchaus in Zusammenhang stehenden Impulsivität des lokalen Politpersonals prächtig gedeiht. Ergo: Kein Sommerloch ohne, pardon, Arschbombe vom Beckenrand. Auch das Publikum freut’s, wenn da einer sein Mütchen im August öffentlichkeitswirksam kühlt. Lange Jahre war der Klubobmann der ÖVP im Landtag, Christopher Drexler, für Erfrischungen zuständig, heuer ist ihm Parteifreund Siegfried Nagl, der Grazer Bürgermeister, zuvorgekommen. In einer konzertierten Aktion hat also Nagl über Kronen Zeitung, Kleine Zeitung und ORF seinem Koalitionspartner in der Stadt, den Grünen, ordentlich was reingesagt. Er warf ihm Klientelpolitik und Entscheidungsschwäche vor und drohte, die Koalition platzen zu lassen, sollte sich binnen Jahresfrist nichts ändern.

Handstanddreifachsalto vom Zehnerturm war das keiner. Noch dazu, wo Nagl seinen Zorn mit dem Nein der Grünen zum Wasserkraftwerk in Puntigam begründete. Ein „Projekt“, mit dem er an die Öffentlichkeit gegangen war, ohne mit den Grünen davor auch nur ein Wort zu wechseln. Hat Nagl, wie Vizebürgermeisterin Lisa Rücker vermutet, den Grünen eine vor den Bug geknallt, weil er Angst hatte, die ÖVP würde in der Koalition schlechter rüberkommen? Kann sein. Extra Eleganzpunkte gibt’s für Sprünge vom Beckenrand jedenfalls keine.

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige