Phettbergs Predigtdienst

Das alte und das neue Bett

Kolumnen | aus FALTER 35/09 vom 26.08.2009

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Als ich total blad war, brauchte ich großes Bettzeug. Als ich zuletzt immer wieder im Krankenhaus war, musste ich mit dem Bettzeug schwer kämpfen, denn dort gab’s nur „normale“ Formate. Eher sehr knappe. Nun hab ich mich wieder eingependelt. Wenn ich zu schlafen beginne, schlafe ich links liegend – bis zum ersten Lulugehen! Und dann wechsle ich auf rechts liegend. Diese Schlafrichtung behalte ich bei, bis ich fühle, ich könnte aufstehen.

Aber egal, was ich tu, ich träume nie mehr. Da ich aber das Gefühl habe, die Nacht ist blitzartig schnell vorbei, muss ich doch geschlafen haben. Solange ich Träume hatte, hatte ich die Sicherheit, geschlafen zu haben. Jetzt aber nicht mehr. Ich leg mich hin und schlafe, bis mir in den Sinn kommt, mit welchem ersten Satz ich zu gestionieren beginnen könnte. Und dann beginne ich auch meistens mit den Frühzeremonien.

Kürzlich habe ich ein neues Bett bekommen. Der richtige Zeitpunkt, um die Milben zu verabschieden? So viele Jahre verbrachten wir gemeinsam, liebe Milben! Als der berühmte Max Goldt ein neues Bett kriegte, hat er die erste Milbe herzlich begrüßt! Also ging ich zur feierlichen Eröffnung meines neuen Bettes.

Im alten Bett, in dem ich sicher 20 Jahre schlief, hatte ich zu jeder Falte eine persönliche Beziehung. Nun war es schwer, im neuen Bett einzuschlafen. Ich brauchte eine volle Stunde. Anstatt wie gewöhnlich auf der linken Seite einzuschlafen, musste ich mich erst nach rechts drehen, ehe ich endlich in Ruhe zu schlafen begann.

Dabei ist das neue Bett vollkommen, während das alte total abgelegen war, denn ich hatte ja zwischenzeitlich 170 Kilo. Es hatte tiefe Mulden, und die Federn der Federkernmatratze waren wie Nadeln durch die Matratze getrieben. Ich schlief darauf quasi wie ein Fakir.

Und ich musste die „uralte Technik“ des Aufstehens wieder erlernen. Denn ich brauchte gar keinen Haltegriff mehr. Mein Körper erinnerte sich an seine uralten Varianten des Sichhochhebens. Ganz schön clevere Kerlchen, diese Muskeln. Gott sei Dank bin ich nicht gelähmt und kann noch alle Muskeln aktivieren, wo ich es gewohnt war! Das neue Bett ist also doch praktischer als die heimelige „Vertrautheit“ meines alten Bettes.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

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