Meinesgleichen

Freundschaftlich ist auch so ein Medienwort

Falter & Meinung | aus FALTER 36/09 vom 02.09.2009

Es war ein schöner Scoop des Kollegen Fidler und natürlich auch ein Zeichen für die Zerrüttung der Verhältnisse der Mediaprint, als der WAZ-Manager Christian Nienhaus im Standard bekanntgab, die WAZ werde ihre Anteile nun doch nicht verkaufen. Offenbar war der Preis, den Hans Dichand zu zahlen bereit war, nicht hoch genug. Normalerweise würde man in solchen Fällen eine gemeinsame Verlautbarung der beiden Partner erwarten, aber das Verhältnis, es ist nicht mehr so.

Nienhaus findet zu durchaus charmanten Formulierungen, die einerseits schöne Bilder aus der Mythologie (Philemon und Baucis) beschwören, andererseits dem Hausfreund Kurier die Rute ins Fenster stellen. Nienhaus also sprach: „Lange befanden wir uns im Streit mit Herrn Dichand. Wir haben, beim Versuch, ihn beizulegen, wie ein altes Ehepaar erwogen, ob man nicht besser zum Scheidungsrichter geht. Die Scheidung ist jetzt abgeblasen. Wir werden jetzt zusammen weiter arbeiten. Die Kronen Zeitung hat sehr beachtlichen Auflagenerfolg. Uns gefällt nicht, dass die Ergebnisse in der Mediaprint nicht optimal sind, auch durch gegenseitige Blockaden. In freundschaftlichem Einvernehmen mit Familie Dichand und unseren Partnern beim Kurier müssen wir uns jetzt darauf konzentrieren, die Mediaprint von bedrohlichen Ergebnissen wieder in besseres Fahrwasser zu lenken.“

Wo solche zarten Freundschaftsworte walten, da wird sich der Ertrag schon gut gestalten!

Quelle:

„Scheidung abgeblasen“, von Harald Fidler, Der Standard, 30.8.2009


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