Kommentar

Sausgruber ein „Hero“? Einspruch eines Vorarlbergers

Vorarlberg

Falter & Meinung | aus FALTER 36/09 vom 02.09.2009

Gastkommentar: Harald Walser

Österreich hat einen neuen Hero. Da verbreitet ein Landeshauptmann den Stehsatz, dass man mit Antisemitismus nicht Politik machen dürfe, schwupps ist er im Falter „Hero der Woche“. Und Armin Thurnher ruft gleich auch noch indirekt zu seiner Wahl am 20. September auf („… tut im richtigen Augenblick das Richtige“). Für eine Grundsatzdiskussion fehlt hier der Platz. Ich möchte nur auf Michael Köhlmeier verweisen, der das Politikverständnis von Sausgruber und seiner ÖVP als „prädemokratisch“ bezeichnet: „Da steckt die alte Vorstellung von einem Ständestaat dahinter.“

Die konservativen Landesmedien sind dankbar, der kritische Teil – darunter Standard und die bürgerliche Presse – fragt nach: Wo war der „Held“, als seine ÖVP Martin Graf zum Nationalratspräsidenten gewählt hat? Warum hat Sausgruber mit dieser FPÖ (eine andere gibt es nun mal nicht) überhaupt eine – angeblich „bürgerliche“ – Regierung gebildet? Wo war der Falter-Hero, als die Landes-Blauen nach der Haider-Attacke gegen Ariel Muzicant („Dreck am Stecken“) noch eins drauflegten und ihrer Klubsekretärin – wie sinnig – nebst Waschmaschine demonstrativ den „Dreck-Killer“ Ariel überreichten? War damals nicht „der richtige Augenblick“?

Wäre nicht auch ein Sausgruber-Wort zu den antiislamischen FPÖ-Tiraden nötig? Immerhin wollen die Landes-Blauen Türkischdolmetscher verbieten, Minarette sowieso, Einbürgerungen von Türkinnen und Türken untersagen, nur noch „heimische“ Familien fördern und so weiter. Muslime scheinen „Freiwild“ – kein Wort dazu vom Falter-Hero!

Der Autor ist Bildungssprecher der Grünen


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