Wie der Fall Dreyfus nach Guantánamo gelangt

Politik | aus FALTER 36/09 vom 02.09.2009

Minutiös schildert Louis Begley die französische Dreyfus-Affäre. Ein alarmistischer Etikettenschwindel führt den Leser aufs Glatteis

Rezension: Stephan Steiner

Gegen Ende des neuen Buches von Louis Begley taucht ein Zitat auf, das zwar als solches ausgewiesen ist, dessen Autor allerdings ungenannt bleibt. Leiden geschehe, heißt es darin, „während irgendjemand isst oder das Fenster öffnet oder einfach nur lustlos mitläuft“. Im Gedicht „Musée des Beaux Arts“, dem es entnommen ist, beschwor W.H. Auden die Auffassungsgabe der alten Meister der Kunstgeschichte, die es verstanden hätten, dem Leiden ein menschliches Maß zu verleihen, es aus einem Meer von sehr viel Gleichgültigkeit und ein klein wenig Empathie auftauchen zu lassen und darzustellen.

Eine Lebenskatastrophe sichtbar und spürbar zu machen, ist auch das Anliegen der Neuaufrollung des Falles Dreyfus, jenes Hauptmanns, dessen Schicksal nicht nur die Armee und den Geheimdienst, sondern gleich das ganze Frankreich des


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige