Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Lukas Plank | aus FALTER 36/09 vom 02.09.2009

Warum blödeln Sie mit dem Logo herum, Herr KovacÇic´?

Welt Burg Dorf.“ Das ist eines der neuen Plakate des Burgtheaters. Keine Fotos. Keine Farben. Nur drei Wörter in Schwarz und Weiß. Daneben eine Kritzelei. Ein anderes Plakat: „Leben Lust Lieben Leiden du bist aber Burg.“ Auch hier hat jemand etwas neben den Text gezeichnet: Das Burgtheater, aus dem ein großer Staubsaugerschlauch ragt. Darüber in Volksschulhandschrift: „Burg saugt Gedanken der Menschen auf.“

Nenad KovacÇic´, Geschäftsführer der Schweizer Raffinerie AG für Gestaltung: „Eigentlich ist die ganze Kampagne ein Logo. Es kann groß sein oder klein, viele Wörter haben oder wenige. Im Zentrum steht dabei das Wort ‚Burg‘.“ Ein Logo also, das immer anders ist. Normalerweise soll ein Logo doch unverwechselbar sein. „Es funktioniert trotzdem. Man erkennt es wieder, weil die Plakate nach demselben Konzept funktionieren.“

Sie sind alle farb- und bildlos. Und es ist nie klar, was die Plakate sagen wollen. Werbung, die verwirrt? Auch das klingt merkwürdig. Für ein anderes Unternehmen hätte das wahrscheinlich nicht funktioniert, bestätigt KovacÇic´. „Aber wir wollen unterschiedliche Assoziationen auslösen. Im Theater wird mit Wörtern gespielt. Und das machen auch wir bei den Logos.“

Die Verspieltheit zeigt sich auch im gedruckten Spielplan des Burgtheaters: Die Theaterstücke werden nicht beschrieben. Es sind erfundene Zeitungsartikel über „Faust“, „Othello“ etc. abgedruckt. Und von den Schauspielern gibt es keine Fotos, sondern Phantombilder. Diese hat der Künstler Beni Bischof verziert, der auch die Zeichnungen auf den Plakaten gemacht hat. Eigentlich, verrät KovacÇic´, wollte man die Schauspieler ja fotografieren. „Nur waren einige zu beschäftigt oder im Urlaub. Also haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und Phantombilder gezeichnet.“


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