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Pressekolumne

Medien | Martin Gantner | aus FALTER 36/09 vom 02.09.2009

Wenn bloß das Wörtchen „wenn“ nicht wäre. Oder die Wörtchen „so“ und „äußerst“. Wenn also „wenn“, „so“ und „äußerst“ nicht wären, dann wäre alles halb so schlimm. Doch die Gratiszeitung Heute ist beim Zitieren kulant, wenn sie etwas exklusiv am Cover hat. Vergangenen Donnerstag prangte ebenda: „Fall Kampusch: Neue Geheimakten!“ Darunter das Zitat: „Natascha war damals bei mir, sie wirkte so glücklich ...“ Wenn er diesen Satz gesagt hätte, dann stammte er von Wolfgang Priklopils bestem Freund H. Er hätte ihn kurz nach Priklopils Tod zu Protokoll gegeben. Tatsächlich aber sagte H. Folgendes: „... Sie wirkte damals äußerst höflich und glücklich.“ So steht es zumindest weiter hinten im Blatt. Diese Form des Zitierens ist nicht nur äußerst fragwürdig, sondern so untergriffig, weil hier allein der Eindruck verstärkt werden soll, dass die Gefangenschaft für Frau Kampusch vielleicht gar nicht so schlimm gewesen sein könnte; noch dazu, wenn sie die acht Jahre mit Priklopil so unpackbar glücklich verbracht hat. Acht Jahre wie im Flug quasi.


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