Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 36/09 vom 02.09.2009

Sie werden sich noch schön anschauen!!!

Es war ein denkwürdiger Augenblick, kurz vorm Urlaub auf dem Hauptplatz: Gösting demonstrierte. Nicht ganz Gösting, nur natürlich wieder mal die Avantgarde, aber die hatte dafür einen Kleinlieferwagen mit Band dabei, um den Platz so richtig – ja wirklich: zu rocken. Es ging um eine Unterführung oder so, aber die Bezirkspolitiker waren klug genug, das allgemeiner zu formulieren: Es ging um ein klares „Nein zur Teilung von Gösting“. Ein Musiker fand zwischen zwei Zugaben auch Zeit zur Aufmunterung: Das Volk will das nicht! Das Volk also. Man hätte ja das Gefühl haben können, dass es sich gar nicht mehr erhebt in unserer Stadt, aber wenn das geeinte Gösting schon Anlass zur Hoffnung gab, dann lieferten die Radfahrer letzte Woche noch weiteren Anlass zur Freude. Die Offensive der Ordnungswache in Kooperation mit der Exekutive, einfach allen, die durch den Park radeln, dreißig Euro wegzunehmen, war der stete Tropfen, der den Stein wohl bald zum Überlaufen bringen könnte (©Radfahrerin 1). Hier zeigte die Staatsmacht ihre gierige Fratze, hier formierten sich solidarisierende (unbescholtene!) Radfahrergrüppchen im Geiste der Subversion, wie es keine zehn erschossenen (aktenkundigen!) Teenager zu Stande gebracht hätten. Und wenn in Graz erst mal die Steine überlaufen, dann werden die da oben wissen, dass sie zu weit gegangen sind. Dann wird Graz Athen oder zumindest ein bisserl Krems.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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