Phettbergs Predigtdienst

Du musst deine Bahnen ziehen

Kolumnen | aus FALTER 36/09 vom 02.09.2009

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Der Falter ist Spitzenmeldung in der „ZiB 1“. In der Justiz wird intrigiert. Höchstgebildete, die den ganzen Tag einander bekämpfen. Nichts hält mich mehr munter. Ich schäme mich. Aber da die Wahrheit als höchster Akt auch gemeißelt als „blinde Justitia“ dargestellt wird, warum sollte das „nun“ anders sein?

Im Gegenteil: Es ist eine höchste Ehre, dass der Falter ganz hoch hinaufstieg! Und es ist ein interessanter Fall, dass ich mit etwas ganz anderem „kämpfe“, meiner Schlafgewohnheit: Um 19.45 Uhr, vor der Wetteransage in der „ZiB 1“, geh ich ins Bett und schlaf wie ein Murmeltier. Ich hab auch keinen Meter gesehen in der Nacht, obwohl der Mond so günstig stand.

Früher hätte ich „durchgehalten“. Jetzt aber siegt meine Schlafsucht total. Nur wenn Thurnher oder Klenk verhaftet würden, tät es mich interessieren, welche Beinkleidung sie dabei trügen. Und ich bliebe munter.

Was soll ich tun? Die Gesellschaft will ihren Rhythmus, und ich will den meinen. Nirgendwo kann ich mich anschließen. Als „wir“ am Mond landeten, siedelte ich gerade nach Wien. Und ich blieb allein siedeln, all meine Jahre, a-l-l-e-i-n.

Jedes Jahr im August beobachten die Astronomys den Staub eines Asteroiden. Da fällt mir ein, dass die nunmehrige Justizministerin den Prozess gegen die Bawag leitete ... Ich will es nur notieren. Und schon weiterfliegen. Ich war auch eine Sekunde im Geschehen, als ich anhob, ein Star zu werden. Zack – und es war wieder vorbei!

So geht das mit dem Staub, wenn ein Himmelskörper mit einem anderen zusammenkracht und dann eine Ewigkeit seine Bahn zieht, jedes Jahr. Ich hab alles durchlebt – und war schon wieder Vergangenheit. Du musst deine Bahnen ziehen. Das zumindest hab ich gelernt.

Alles ist Aufregung, und oft bist du nicht in der Lage, Trost in dir selbst zu finden. Ich bin so ein Fall, ein „Nie-Finder“. Alles stürmt an mir vorbei. Und ich schlepp mich dahin. Alles schweigt pietätvoll vor mir und wagt nicht mehr, mit mir zu kommunizieren. Wie wenn ich im Gestürbe (Sterbeprozess) mich bereits befände.

Es gibt nun endgültig keinen Ausweg. Ich kann nicht mehr träumen, nur noch weinen! Voller Todunglücklichkeit gehe ich den Moonwalk.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige