Fragen Sie Frau Andrea

24-mal echte Wienerischkeit

Kolumnen | aus FALTER 36/09 vom 02.09.2009

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

neulich saßen wir im Gänsehäufel bei einem Sonnenbrand und einem Eiskaffee und diskutierten ausgiebig die Kriterien, nach denen jemand als echter Wiener gelten darf.

Hier geboren zu sein, scheint nicht Bedingung zu sein. Haben Sie sachdienliche Hinweise in dieser Frage?

Marie Svoboda, gesendet per Zwitscher-Direkt-Meldung

Liebe Marie,

zu dieser Frage lässt sich nur auf unwissenschaftlichem Parkett tanzen.

Ich will mal versuchen, 24 Kriterien für echte Wienerischkeit zu definieren, von denen – sagen wir einmal etwas streng – alle erfüllt sein müssen.

Die Liste darf durch jede andere, gleichwertige ersetzt werden. Was macht eine Wienerin oder einen Wiener zu einer echten oder einem echten?

1) Zu wissen, wer in der Hasengasse wohnt und 2) wie man den Namen vom Enkel des Gesuchten ausspricht, 3) die Nummer vom „Hofa sein Haus“ zu kennen und 4) den Namen vom „Nockatn sein Köllna“, schon einmal 5) bei Tag im Donnerbrunnen gebadet zu haben und 6) bei Nacht im Stadionbad, 7) den Wienfluss bei Hochwasser und 8) den Zentralfriedhof bei Vollmond gesehen zu haben, 9) mit dem Bundespräsidenten per Du zu sein, aber mit 10) DJ Ötzi per Sie, 11) an einem Würstelstand fachgerecht einen Eiterfinger mit Kinderschas, einen Buckl und ein 16er-Blech bestellen zu können und 12) beim Demel eine Crème du jour und einen trockenen Noilly Prat, 13) mindestens drei Jahre lang hindurch den Abend im Alt-Wien begonnen zu haben und den Morgen im Pane, 14) das Gefühl zu kennen, wie der Gatsch am Neusiedler-See-Ufer zwischen den Zehen hochquillt, 15) die Schwammerlwiese zu kennen und 16) den Bau eines Wiener Dreiblatts mit Hütchen, 17) im Schweizerhaus vom Kolarik-Wirtn auf einen Schnitt und 18) in der Loos-Bar von der Powera auf ein Soda eingeladen zu werden, 19) die Pummerin an einem Nicht-31.-Dezember gehört zu haben, 20) die Sockenfarben vom Gschupften Ferdl zu kennen und 21) die Fassadenfarbe vom alten Drechsler und schließlich am Graben einmal 22) das Lercherl singen, 23) Thomas Bernhard schweigen und 24) Hermes Phettberg murmeln gehört zu haben.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige