Buch der Stunde

Ulrich Rüdenauer | Lexikon | aus FALTER 36/09 vom 02.09.2009

Vor zwei Jahren erschienen im Falter Protokolle von Telefongesprächen, die Männer, darunter Uniprofessoren, Diplomaten oder Anwälte, mit einem Escort-Service geführt hatten: Dort finden unverblümt Verhandlungen über sexuelle Dienstleistungen statt, die das Objekt der Begierde – teils minderjährige Frauen, die aus dem Osten „importiert“ werden – zum Tier degradieren. Nun hat Sexualität immer auch etwas Animalisches, und die Abgründe der bürgerlichen Welt lassen sich fast nirgendwo so schön studieren wie hier. Aber diese Protokolle gehen doch weit über das gemeine Gebaren von Männern hinaus; man könnte auch sagen, das männlich Unbewusste entstellt sich hier zur Kenntlichkeit. Elfriede Jelinek erzählte damals dem Falter im Interview, dass sie am liebsten gekotzt hätte, als sie die Abhörprotokolle las. Zugleich war ihr klar, dass die Unvermitteltheit der männlichen Rede unbedingt literarisiert gehörte.

Sie schrieb das Theaterstück „Über Tiere“, einen Prosamonolog,

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