Kritik

Denkmalpflege unter körperlichem Einsatz

Lexikon | aus FALTER 37/09 vom 09.09.2009

Spaciger als in Raquel Welchs „Space Dance Girl“ geht es auch in Marko Lulic’ Adaption des Videoclips nicht zu. Der Künstler hat das vor Skulpturen im öffentlichen Raum in Mexiko aufgenommene Original aus 1974 im Skulpturenpark des Deutschen Erich Hauser reinszeniert, um den Körper als künstlerisches Material und das Verhältnis von Körper und Skulptur zu thematisieren.

In vergangenen Projekten hat sich der kroatischstämmige Lulic immer wieder mit dem Denkmalkult im ehemaligen Jugoslawien auseinandergesetzt: Er baute Monumente en miniature nach, verzerrte sie optisch und kippte deren heroisierende Ästhetik durch knallige Farbigkeit ins Verniedlichende. Für viele seiner Arbeiten schöpft er aus dem visuellen Repertoire der Moderne, dessen aktuelle Wirkungsmacht er im Zusammenhang von Ideologie, Kunst und öffentlichem Raum überprüft. Aspekte wie diese sickern auch in seiner aktuellen Präsentation von Videoarbeiten durch, wenngleich Lulics ansonsten eher kritische Haltung von humorvollen Gesten überlagert wird.

Etwa dann, wenn er Till Eulenspiegel gleich den Titel der Skulptur „Circulation in Space“ wörtlich nimmt und sich in athletische bis groteske Posen begibt, um sich diesem Kunstwerk von Vojin Bakic aus dem Jahr 1971 körperlich einzuschreiben. Tanzen bis zum Umfallen heißt es dann in einer weiteren Arbeit, die als Persiflage auf die Performancekunst der 1970er-Jahre durchgehen könnte. Auch damals ging es stets um das Ausloten körperlicher Grenzen. MJ

BAWAG Contemporary, bis 4.10.


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