Neu im Kino

Flüchtlingsdrama unter Aliens: „District 9“

Lexikon | Klaus Nüchtern | aus FALTER 37/09 vom 09.09.2009

In den meisten Science-Fiction-Filmen stellt die Konfrontation mit den Außerirdischen den dramaturgischen Höhepunkt dar, im vorliegenden Falle liegt sie bereits Jahrzehnte zurück: Die Aliens wurden einst als unterernährte Weltraumflüchtlinge aus dem riesigen Mutterschiff geborgen, das noch immer über Johannesburg schwebt, und wohnen nun im titelgebenden „District 9“, einem Ghetto, das von den verächtlich „Prawns“, also „Garnelen“ genannten Außerirdischen mittlerweile in einen Slum verwandelt worden ist.

Als die 1,8 Millionen Ghettobewohner zwangsumgesiedelt werden sollen, eskaliert der lange schwelende Konflikt, in dessen Schatten der mit der Umsiedlung beauftragte Privatkonzern seinen finsteren Machenschaften nachgeht. Mikus van de Merwe (großartig: Sharlto Copley) geht dem Job nach, als ginge es darum, einen Betriebsausflug zu organisieren, und ist den in der Tat unschön anzusehenden und mit abstoßenden Essgewohnheiten ausgestatteten Prawns bald sehr viel näher, als ihm lieb ist.

Mit der Unbekümmertheit des Junggenies hat der in Südafrika geborene und in Kanada lebende Regisseur Neill Blomkamp, der davor als Visual-Effects-Spezialist und Werbefilmer Karriere machte, Versatzstücke des SF-Genres (mit Cronenbergs „The Fly“ als offenkundigster Referenz) zu einem gigantischen Bastard aus Politthriller, Actionspektakel und Melodram zusammengeschmiedet.

Krud und sophisticated zugleich, ähnelt der virtuos als Mockumentary inszenierte Film selbst jenen biotechnologischen Waffen, hinter denen die Bösen her sind – bizarr, aber effektiv. „District 9“ liefert panzerstoppend ergreifende Propaganda für die Befreiung der Humanität aus ihren Gattungsgrenzen.

Ab Fr in den Kinos (OF im Haydn)


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