Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 37/09 vom 09.09.2009

Die steirische Breite

Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) versucht ein Jahr vor der Wahl die Ecken und Kanten seiner Partei zu schleifen. Bis Redaktionsschluss wollte die SPÖ die Personalrochade nicht offiziell bestätigen, doch schon am Montag schien fix: Sozial- und Kulturlandesrat Kurt Flecker und Gesundheitslandesrat Helmut Hirt müssen ihre Sessel räumen.

Damit wird Voves auf einen Streich jene beiden Regierungsmitglieder los, die am meisten angeeckt sind. Kurt Flecker, das linke Aushängeschild der Partei, sorgte bei Konservativen und Kronen Zeitung immer wieder für Aufregung, zuletzt, weil er bei der Ausstellung „absolutely free“ einen Riesenjoint vor dem Landesmuseum Joanneum duldete. Helmut Hirt zog sich den Unmut der Obersteirer zu, als er sich gegen den Erhalt der Chirurgie in Bad Aussee stellte.

Beiden werden gute Posten in der zweiten Reihe geboten, sie werden sich also kaum wehren. Mit der Weststeirerin Elisabeth Grossmann und dem Obersteirer Siegfried Schrittwieser setzt Voves nun auf steirische Breite statt auf Ecken und Kanten. Schrittwieser, der als Landtagspräsident vor allem auffiel, weil er sich die Namen der Abgeordneten nicht merken konnte, soll die Wähler im roten Kerngebiet Mur-Mürzfurche motivieren, im nächsten Herbst SPÖ statt FPÖ anzukreuzen.

Bisher scheint Voves’ Rechnung aber nicht aufzugehen: Die Kronen Zeitung, immerhin das Blatt der österreichischen Breite, bezeichnete ihn bereits indirekt als „Lügner“. Zudem provozieren Ecken und Kanten nicht nur Kritik, sie verleihen auch Profil. Nun muss die steirische SPÖ aufpassen, dass ihr vor lauter Breite die Tiefe nicht abhandenkommt.

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige