Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 37/09 vom 09.09.2009

Lebenslanges Ausbügeln

Eine der negativen Eigenschaften von Fenstern ist es, dass sie irgendwann geschlossen werden müssen. Speziell jetzt, wo der Sommer vorbei ist, wird uns klar: Das war eh nur ein Zeitfenster. Es war auch: das Transferfenster, das heißt die Zeit, in der Fußballer sich auf dem Markt feilbieten konnten, um Arbeit für die nächste Saison zu kriegen. Die es nicht geschafft haben, müssen sich arbeitslos melden, ungefähr zwanzig sind das pro Herbst (die, die auch andere Berufe können, nicht mitgerechnet). Auch hier unterscheiden wir uns von den Färöer Inseln: Dort gibt es weder professionelle Fußballer noch Arbeitslose. Seit 2007 gibt es dort praktisch Vollbeschäftigung, vor allem wegen Fischfang und Tourismus. Die wenigen Erwerbslosen, die es doch gibt, waren am Wochenende in Graz, um die Stadt zu genießen, Bier zu trinken und ihre Fußballmannschaft anzufeuern, was sie sich auf Grund des Sozialsystems leisten können. Das Tragische daran: Sie durften nicht mitspielen, weil die Teilnahme an den Trainings ihre Arbeitssuche einschränken würde. So liefen in Liebenau nur regulär Beschäftigte auf, die eigentlich eh gar keine Zeit dafür hätten. Sowas wird aber von Arbeitgebern und der EU gern gesehen, weil es unter LLL fällt, das heißt: lebenslanges Lernen. Auch durch Sport und sonstigen Wettbewerb wie Häkeln, Klettern, Glasblasen. Wieder eine Statistik, in der wir hinterherhinken. Diese Scharte gilt es auszubügeln, in einem angemessenen Zeitfenster.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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