Phettbergs Predigtdienst

Ewigkeiten meiner erträumten Sekunden

Kolumnen | aus FALTER 37/09 vom 09.09.2009

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Darin gefall ich mir: ruhig sitzen und warten. Dass das Publikum nur so staunt, wie der das kann! Ab zwei Stunden ruhigen Sitzens geb ich mir selbst einen Kuss. Leider schaff ich es oft nicht und fall aus der Rolle. Dann sind wieder Monate im Arsch! Die Nervosität eines Ich (H.P.), das alles hat … außer sexuelle Befriedigung. Das Materielle ist ja alles in den Augen der Kronen Zeitungs-Menschys. Ich könnt mich selbst in den Arsch beißen, wenn ich nervig bin.

Das ist überhaupt die Idee ab nun! Ich muss total in Ruhe vor mich hin walten, wie eine Gottheit. Als Kind hätte ich so gern meinen Rauschebartgott gezeichnet, wenn ich ein Talent dafür gehabt hätte bzw. meine Pfarrer die Geduld gehabt hätten. Doch weder der Pfarrer in Unternalb noch die Dominikaner von Retz hatten etwas Musisches fürs Zeichnen. Oh, ich wär so gern ein musisch begabtes Kind gewesen und hätte so gern Rauschebartgottys gezeichnet! Ewig nur Rauschebartgottys.

Von Gottys träumen und Gottys zeichnen … Das wär jetzt überhaupt die Möglichkeit, wenn es schon leider, leider keine Gottys gibt und wir uns alles selbst basteln müssen. Aber mir fehlen alle technischen Möglichkeiten. Ich sitz da allein, und das Einzige, was ich hab, ist mein Großbildschirmcomputer, den ich zudem absolut nicht bedienen kann. Auf ihm kann ich nur meine Gestionsprotokolle schreiben.

Ich wär so gern ein Geduldvoller in versauten Bluejeans geworden. Wenn ich einen Typen in Bluejeans sehe und unsere Blicke einander für Sekunden kosen, dann sind diese Begegnungen wie eine EWIGKEIT. Wenn ich meine eigenen Zehen berühre, die einmal im Monat vom Salon Irene gewaschen werden (gemeint ist jetzt aber nicht der Akt der Fußwaschung, sondern sie sind das Einzige von mir, was gewaschen wird), muss ich darin ja meine eigene Gottheit spüren. Ich würde so gerne meine eigenen Zehen liebkosen, wie sie niedlich sind!

Meine Haut ist so voller Hunger nach Spüren. Ab und zu, wenn ich erfolgreich betteln konnte und dann von den Hosenriemen meiner erbettelten Sadisten berührt wurde, waren das Ewigkeiten meiner erträumten Sekunden. Die größte Enttäuschung ist das Twittern! Meine Haut hungert so nach Berührungen!

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige