Doris Knecht

Beim Langen trauen sie sich das nicht

Selbstversuch

Kolumnen | aus FALTER 37/09 vom 09.09.2009

Die Frage „Freust du dich schon auf die Schule?“ wurde vergangene Woche mit vielen inbrünstigen JAs beantwortet. Und zwar von Müttern. Und Vätern. Ich selbst zählte am Sonntag, als ich dazu wieder in der Lage war, die Stunden bis Montag um neun, wenn sich zur Abwechslung wieder einmal andere Menschen als ich um meine Kinder kümmern würden. Am Sonntagnachmittag war ich, dank neun Wochen Ferien und Pias Hochzeitsfest nachts zuvor, so fertig, dass ich die Kinder mit einer Schachtel Schwedenbomben vor den Fernseher setzte, normal ein absolutes No-No.

Aber der Lange und ich hatten bei Pias Hochzeit aufgelegt, normal auch ein absolutes No-No. Vor allem Hochzeiten von Freunden. Die sollen ja einen glücklichen Abend haben, was den DJ relativ oft über den Rand der Erniedrigung führt, weil volle Tanzfläche, gelungener Abend. Aber auch verschiedene Geschmäcker. Plus gibt es auf jeder Hochzeit dieses Paar, das fantastisch tanzt, Walzer, Tango, Two-Step, Dingsbums, was weiß ich, die schweben über die Tanzfläche und strahlen sich an, und die wollen das dann den ganzen Abend so beibehalten. Und wenn du einmal etwas spielst, bei dem es nicht mit wehenden Kleidern übers Parkett fliegen kann, wirft das Paar verletzte Blicke Richtung DJ-Pult und wünscht sich deutlich sichtbar einen ganz anderen Sound. Und wenn man normal auflegt, ist der Hinweis, dass es in dieser Stadt sicher tausend Lokale, in denen wahrscheinlich genau jetzt genau solche Drecksmusik läuft, dann schnell bei der Hand, was du bei einer Hochzeit natürlich nicht bringen kannst. Du spielst, was gewünscht wird. Du willst, dass das Brautpaar glücklich ist.

Was zuerst einmal schiefging, denn Pia hatte sich als ersten Tanz einen Walzer gewünscht und ausdrücklich gesagt, es sei einerlei, welche Sorte Walzer, es müsse nichts Traditionelles sein, sie wolle nur einmal mit dem neuen Herrn Pia walzen. Also hatte ich lange gewühlt und spielte dann „When a Man Loves a Woman“, in der fantastischen Version der wunderbaren, toten Karen Dalton, und sie tanzten sehr schön, und am Ende des Stücks kam eine Frau und fragte, und was jetzt mit dem Walzer sei. Hallo? Einszweidreieinszweidrei? Walzer?

Aber das mit der vollen Tanzfläche wurde dann schon, ich sage nur Barry White, und bei „You’re the First, My Last, My Everything“ zeigte dann die alte Posse, dass wir auch tanzen können, halt anders, und das schöne Paar floh mit allen Anzeichen von Panik. Und später wurde ich nur ein bisschen von einem weißhaarigen Herrn wegen schlechten DJings übel beschimpft (ich, nicht der Lange; bei großen Männern trauen sie sich das nicht), der war vor 50 Jahren auch einmal DJ und ist wahrscheinlich ein super Kollege, wenn er nüchtern ist. Es war ein sehr schönes Fest, lustige Leute, guter Wein und Pias Kleid war meine Herren, aber Hochzeiten mache ich trotzdem nicht mehr.


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