Fragen Sie Frau Andrea

Hollunder-Hollunder, Holunder und Frau Holle

Kolumnen | aus FALTER 37/09 vom 09.09.2009

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

warum heißt Herr Hollunder-Hollunder so? Hieß seine Frau mit Mädchennamen so, er auch, und haben die beiden beschlossen, sich heiratenderweise zu verdoppeln? Oder ist es gar ein alter Adelsname? Mit besten Grüßen,

Petra Herbek-Nechvatal, per Elektropost

Liebe Petra,

Sie kennen Martin Hollunder-Hollunder vermutlich von seinen öffentlichen Auftritten im Rahmen der Ermittlungen zum Schusswaffengebrauch in einem Kremser Supermarkt. Tout Autriche wunderte sich über den seltsamen Namen des Bundeseinsatztrainers der österreichischen Polizei. Genealogen und Etymologen waren so ratlos wie Journalisten. Das Rätsel löste Hollunder-Hollunder schließlich selbst in einem Leserbrief an die Presse. Der Chefinspektor hat ursprünglich weder Hollunder noch Hollunder noch Hollunder-Hollunder geheißen. Die hollundrische Gemination hat nichts mit der Abstammung zu tun, sie ist auch nicht das Ergebnis eine Cousinenehe. Martin Hollunder-Hollunder, von Geburt mit einem der Öffentlichkeit nicht näher bekannten Nachnamen ausgestattet, hatte bei seiner Eheschließung den Namen seiner Frau, Hollunder, angenommen. Und hieß seither selbst Hollunder. Seine Frau und er ließen sich scheiden, fanden aber später wieder zueinander und heirateten ein zweites Mal. Als Zeichen seiner Zuneigung nahm der Polizist noch einmal den Namen seiner Frau an – und stellte ihn seinem voran. Somit hieß er nun Hollunder-Hollunder. Ob sich diese standesamtlichen Vorgänge durch eine weitere Scheidung und Wiederverheiratung zum Namensgespenst Hollunder-Hollunder-Hollunder-Hollunder aufblähen ließen, ist zweifelhaft, immerhin kennt die Genealogie den Fall der deutschen Grafenfamilie Salm-Salm-Salm-Obersalm.

Der Name Hollunder dürfte vom Holunder stammen, jenem strauchartigen Baum, der uns den köstlichen Saft schenkt. Der Baum ist etymologisch und hagiografisch mit Frau Holle, der germanischen Hausgöttin Holla, Holda verwandt. Goldmarie und Pechmarie im Grimm’schen Märchen sind die personifizierten Echos der Effekte von Blüten und Beeren der kultischen Heilpflanze. Letztere führen wegen des enthaltenen Blausäureglykosids Sambunigrin zu schweren, pechschwarzen Durchfällen.


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