Museum Kritik

Tausend Jahre sind ein Tag

Steiermark | Thomas Wolkinger | aus FALTER 38/09 vom 16.09.2009

Mit dem neuen Archäologiemuseum ist dem gerade erst vom Landes- zum „Universalmuseum“ aufgestiegenen und mit neuer, farbenfroher Corporate Identity ausgestatteten Joanneum eine wirklich elegante Arrondierung der Sammlungen im Ensemble von Schloss Eggenberg geglückt. Der von BWM Architekten geplante Bau – das Wiener Büro zeichnete auch für den Museumsshop und das Münzkabinett im Schloss sowie die Neuaufstellung des Volkskundemuseums verantwortlich – schließt formal an das bereits 2004 eröffnete Lapidarium (Purpur. Architektur) an und eröffnet auf einer Fläche von 650 Quadratmetern überraschend lichte Blicke auf die zweitgrößte archäologische Sammlung Österreichs. Und das, obwohl der zweischiffige Bau unterirdisch angelegt ist – großzügige Oberlichten machen’s möglich.

Auch überaus geglückt: die Präsentation der 1221 Artefakte aus nahezu 100.000 Jahren Menschheitsgeschichte, die in ihren ebenso ästhetischen wie schlichten Glasvitrinen fast zu schweben scheinen. Gruppiert sind sie nicht chronologisch, sondern entlang von sechs existenziellen Fragestellungen („Ist mein Wesen abbildbar?“ oder „Brauchen wir Götter?“), die der historischen Schwere der Objekte eine weitere Dimension von Zeitlosigkeit verleihen. Über Hörstationen abrufbare Interviews – mit Adolf Holl etwa, mit Peter Kubelka oder Elfie Semotan – führen in die Themen ein. Zu größeren Objektgruppen oder Leitobjekten der Sammlung wie dem frisch restaurierten Strettweger Kultwagen, der Bronzemaske von Kleinklein oder dem erst unlängst erworbenen Silberbecher aus der römischen Villa von Grünau informieren launige Texte, die auch jüngere Besucher ansprechen sollen. Für diese gibt’s im Zentrum des Raums weiters eine kleine Forschungsstation.

Schloss Eggenberg, Di–So 10.0018.00


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