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Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 38/09 vom 16.09.2009

Decision geht immer. Das Entscheidungsspiel für Spontanmanichäer ist ein beliebter Partyspaß, und ich kann mich nicht erinnern, je auf ein redaktionsinternes Mail dermaßen flott dermaßen zahlreiche Antworten erhalten zu haben. „Beatles oder Stones?“ ist die Urmutter aller Decision-Fragen, und natürlich kann man sie generationenmäßig adaptieren, so wie das Ingrid Brodnig getan hat: Blur sind die Beatles Brodnigs, und insofern hat sie sich ja auch richtig entschieden. Diese Frage verlangt zwingend nach klaren Antworten: „Bis 18 Beatles, bis 30 Stones, seither wurscht“ ist eher Wurschtigkeit als Altersweisheit, wohingegen das Mail, das uns aus Graz erreichte – „Beatles!!!!!!!! Dafür töte ich“ –, als zeit- und altersloser Enthusiasmus gelten darf. Bei der Abstimmung, die aus Anlass der Neuauflage des gesamten Beatles-Katalogs (siehe S. 28) durchgeführt wurde, hat sich die absolute Mehrheit fürs Richtige entschieden.

Dass sich unter den Befürwortern der Stones, die gern so bizarre Begründungen wie „Rebellion“ oder „Schmutz“ anführen, vor allem männliche Vertreter eines etwas überkommenen Konzepts von Heterosexualität fanden, das eher in der Politikredaktion vertreten wird, also sonst wo, war zu erwarten, überraschender kam die Frauenquote: Immerhin ein Drittel entschied sich für die Stones. Man/frau sieht: Schönheit und Wahrheit triumphieren nie endgültig, müssen immer wieder in die Schlacht ziehen. Überdies bleibt noch genug zu klären: Paul oder John? „Sgt. Pepper“ oder „Mystery Tour?“ Erste oder zweite Hälfte des Weißen Albums? Guitar or Gun?


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